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16. Juli 2011

Nemo 100 taucht im Notfall allein auf

 

Nemo 100 im Steinbruch

Nemo 100 im Steinbruch

Sonnenlicht durchflutet die Acrylglaskuppeln des kleinen U-Bootes. Pilot Thomas Breinig und Fahrgast Markus Leidgeb müssen die Augen zusammenkneifen, um noch einmal zurückzublicken. Zurück zu den staunenden Beobachtern am Rand des Steinbruchs.

Es ist Samstagnachmittag. Klaus Diersch hat zu einer Jubiläumsfeier eingeladen. Seit fünf Jahren betreibt er die Basis „Taucherkessel Löbejün“ und kümmert sich als Pächter um die drei Steinbrüche. Vor Ort ist an diesem Tag auch das Mini-U-Boot „Nemo 100“.

Meter für Meter entfernt sich das kleine Fahrzeug vom Anlegeplatz. Leise surren die Motoren. Markus Leidgeb steht eine Premiere bevor. Noch nie ist der Leipziger in einem Mini-U-Boot mitgefahren. Es wird Zeit. Immerhin ist der Programmierer für den Internetauftritt des Unternehmens Nemo Tauchtouristik GmbH verantwortlich.

Nemo 100 taucht ab

Nemo 100 taucht ab

Mit einem lauten Zischen entweicht die Luft aus den Tauchtanks des Fahrzeuges. Langsam verschwindet das orangefarbene U-Boot in der Tiefe. Die Sicht ist getrübt. Taucher haben Sedimente am Boden aufgewühlt. Thomas Breinig steuert “Nemo 100″ an einem Abhang entlang.

Sträucher und Bäume – vielmehr das, was von ihnen geblieben ist – ragen in die Höhe. Zum Greifen nah scheint die Wasseroberfläche. Tatsächlich trennen jedoch fünf Meter das U-Boot von der Erdatmosphäre. „Die Kuppel ist wie ein Weitwinkelobjektiv“, staunt Markus Leidgeb. Er genießt die Fahrt. Schroffe Felswände zeichnen sich ab. Das kleine Unterwasserfahrzeug hat mittlerweile eine Tiefe von 15 Metern erreicht.

Druck auf den Ohren spürt Markus Leidgeb nicht. „Nemo 100“ ist wie ein herkömmliches U-Boot konstruiert. Die Fahrgastzelle ist im Grunde nicht mehr als ein geschlossener Druckbehälter aus Stahl. Selbst in einer Tiefe von 50 Metern würde der Innendruck dem atmosphärischen Druck entsprechen.

Thomas Breinig

Thomas Breinig

So tief können Thomas Breinig und Markus Leidgeb nicht abtauchen. Bei 23 Metern ist Schluss. Das U-Boot hat den Grund des Steinbruchs Löbejün I erreicht. Angst haben müssen Fahrgäste nicht. Thomas Breinig ist nicht nur ein erfahrener Pilot, er hat „Nemo 100“ entwickelt und konstruiert.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der gelernte Schlosser und passionierte Kameramann mit U-Booten. 2007 hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und gemeinsam mit Jürgen Herrmann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Im Herbst 2008 war das erste Mini-U-Boot einsatzbereit.

„Mit uns kann jeder die Unterwasserwelt erkunden“, macht Jürgen Herrmann deutlich. Als Geschäftsführer kümmert er sich um den Verkauf und die Vermarktung der kleinen Fahrzeuge. Ausgehend vom Produktionsstandort in Frankfurt (Oder) will er ein weltweites Netz aufbauen. Rund um die Malediven ist bereits ein Abkömmling der Nemo Tauchtouristik GmbH unterwegs.

Felsen

Felsen

Mini-U-Boote sollen nicht nur für die Tourismusbranche attraktiv werden, sondern auch für Privatpersonen. Was heutzutage eine Luxusyacht ist, könnte schon bald ein Unterwasserfahrzeug sein. Diese Vision hat Jürgen Herrmann. Mit einem Pkw-Anhänger kann ein Mini-U-Boot transportiert werden.

Ein technologisches Wunderwerk ist „Nemo 100“ zweifellos. In dem 1,5 Tonnen schweren Fahrzeug steckt modernste Technik. Bis zu 24 Stunden kann das Mini-U-Boot unter Wasser bleiben. Möglich durch ein ausgeklügeltes Lufterhaltungssystem. Ein Bordcomputer lässt „Nemo 100“ im Notfall automatisch auftauchen.

Markus Leidgeb ist begeistert – vom U-Boot und von der Unterwasserwelt. Nach 20 Minuten steuert Thomas Breinig das kleine Fahrzeug zurück zur Anlegestelle. Vorbei an Loren, die als Relikte der Löbejüner Bergbaugeschichte an längst vergangene Tage erinnern.

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